Safari im Yala-Nationalpark – ein Tag im ursprünglichen Sri Lanka

Andre Marti Naturfotograf Elefantenbulle Yala Nationalpark Sri Lanka L6A9627
Nach einem Scheinangriff auf unser Fahrzeug schwingt der Jungbulle seinen Rüssel hin und her.

Unser Safarierlebnis im Yala-Nationalpark in Sri Lanka beginnt noch vor Sonnenaufgang. Um 5.30 Uhr werden wir von unserem Guide und dem Safari-Driver direkt am Hotel abgeholt. Das Fahrzeug ist ein Toyota Hilux mit Doppelkabine, hinten offen mit zwei Sitzreihen und speziell umgebaut für die holprigen Pisten des Nationalparks.

Gemeinsam fahren wir zum südlichen Haupteingang des Yala National Park. Dort lösen wir zuerst die Eintrittskarten für den Park. Wichtig ist: Der Eintritt selbst wird separat bezahlt, zusätzlich bucht man immer ein externes Safari-Unternehmen, welches separat bezahlt wird. Dieses stellt den Driver, der auch gute Park-Kenntnisse mitbringt. Anders als in vielen Parks Afrikas, sind eigene Fahrzeuge im Park nicht erlaubt – ohne diesen Driver und sein Fahrzeug kommt man also nicht hinein.

Erste Eindrücke: Wasser, Krokodile und Störche

Kaum sind wir durch das Eingangstor gefahren, tauchen wir sofort in die typische Landschaft ein: Busch, Wald, teils offene Flächen in die südliche Richtung und immer wieder Wasserstellen. Auch der Indische Ozean lässt sich an manchen Stellen erblicken, da er nur durch einen natürlichen Damm vom Nationalpark getrennt ist.

Schon nach wenigen Minuten erscheint rechts neben der Piste ein erster See. Im Wasser und am Ufer liegen regungslos Krokodile, während Buntstörche erstaunlich dicht an diesen Reptilien im seichten Uferbereich waten. Diese Nähe zwischen Jäger und potenzieller Beute wirkt surreal ruhig – und doch völlig normal in dieser Umgebung.

Elefanten im Morgenlicht

Nur wenig später wird es plötzlich hektisch im Fahrzeug. Der Guide erkennt im Rückspiegel eine kleine Elefantengruppe und setzt sofort zurück.

Im Yala-Nationalpark leben Elefanten meist in kleinen Muttergruppen mit Jungtieren. Anders als in der afrikanischen Savanne gibt es hier keine grossen Herden. Der dichte Mix aus Wald und Buschland würde solche Formationen gar nicht zulassen.

Aus respektvoller Distanz sehen wir mehrere Elefantenkühe mit Jungtieren. Die Tiere bewegen sich ruhig in die Richtung des Sees und ich kann erste stimmungsvolle Aufnahmen dieser Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum machen.

Hirsche und holprige Pisten 

Die Fahrt führt weiter über teils stark ausgefahrene und unebene Pisten. Immer wieder muss der Fahrer ausweichen, abbremsen oder in tiefe Spuren fahren. Ein Fahrzeug mit viel Bodenfreiheit ist hier eindeutig ein Vorteil. Auf den hinteren Sitzreihen wird man kräftig durchgeschüttelt, was eine Herausforderung für unsere kleine Tochter ist.

Wir sehen regelmässig Axis-Hirsche, die in Gruppen unterwegs sind und bei denen sich gut beobachten lässt, wie die Herden organisiert sind. Unter einem Baum direkt an einem Teich liegt auch ein erster Sambhar-Hirsch – deutlich grösser, aber scheinbar meist einzelgängerisch unterwegs.

Reiche Vogelwelt und Wasserlandschaften

Die eigentliche Morgenmagie entfaltet sich an den Wasserstellen des Yala. Besonders im südlichen Teil des Parks, wo der Yala in Richtung Küste in Lagunenlandschaften übergeht, versammeln sich unzählige Tiere zum Trinken und Fressen.

Wasserbüffel stehen am Ufer, bereit, um sich ins Wasser zu begeben, sobald der Tag Temperaturen von 33-35° C erreicht. Auch Gruppen von Axishirschen sind in der Ferne am Ufer zu entdecken.

Ein Highlight für mich ist allerdings die Vogelwelt. Besonders präsent sind die Kingfisher, die Eisvögel Sri Lankas. Eine Unterart des europäischen Eisvogels wirkt auf den ersten Blick identisch, zeigt aber bei genauerem Hinsehen einen etwas längeren Schnabel als sein Vetter – eine Anpassung an andere Beutefische. Daneben sehe ich den Graufischer oder Pied-Kingfischer mit seinem schwarz-weissen Gefieder, der bekannt ist für seinen Rüttelflug, sowie den weit verbreiteten Braunliest, der durch sein kräftiges braunes Gefieder und die markanten blauen Federn an Flügel und Rücken auffällt. Auch verschiedene Bienenfresserarten sitzen oft direkt am Strassenrand auf Ästen und lassen sich wunderbar beobachten.

Der Leopard – kurz, hektisch und zu schnell

Der prominenteste Bewohner des Parks zeigt sich ebenfalls an diesem Morgen: der Leopard.

Unser Driver hat ihn nicht direkt gesehen, sondern die Warnrufe der Axishirsche gehört, die typischerweise auf einen nahen Räuber hinweisen. Kurz darauf entdeckt er den Leoparden in einiger Entfernung.

Dann geht alles sehr schnell. Der Driver beschleunigt das Fahrzeug über die holprige Piste, um näher heranzukommen. Wir haben nur wenige Sekunden Sichtkontakt, bevor der Moment vorbei ist und der männliche Leopard hinter einer Kuppe verschwindet.

Leider wird nicht rechtzeitig abgebremst, sodass ich die Kamera mit 420 mm Brennweite nicht stabilisieren kann, um zu fotografieren. Sofort wird klar: Ein ruhigeres Heranfahren hätte nicht nur eine bessere Beobachtung, sondern überhaupt auch Bilder ermöglicht. Den Drivern ist allgemein nicht bewusst, dass sich die Bedürfnisse von Naturfotografen grundlegend von denen klassischer Safari-Touristen unterscheiden, die um jeden Preis Leoparden sehen wollen und dies am liebsten aus unmittelbarer Nähe.

Zweite Fahrt am Nachmittag: mehr Ruhe und eine bessere Perspektive

Am Nachmittag gehe ich nochmals alleine mit dem Driver auf Pirschfahrt. Dieses Mal sitze ich vorne im Fahrzeug, näher am Boden und somit mit direkterer Sicht.

Die Kommunikation funktioniert trotz begrenzter Englischkenntnisse des Drivers gut über einfache Worte und er freut sich immer wieder, wenn ich ihm soeben gemachte Bilder auf dem Kameradisplay zeige. Die Fahrt verläuft deutlich ruhiger, ohne hektische Beschleunigungen, und ich kann mich ganz auf die Tierbeobachtung konzentrieren. Hinter wirklich jeder Kurve entdecken wir ein Tier. Auf diese Weise kann ich Bilder von einem Fischuhu machen, der am Eingang seiner Schlafhöhle sitzt.

In einem ruhigen Teil des Parks, ohne weitere Fahrzeuge in Sicht, werden wir plötzlich von einem jungen Elefantenbullen überrascht, der aus dem Gebüsch seitlich der Strasse auf uns zurennt und einen Scheinangriff macht. Wir fahren etwas weiter und beobachten das Tier aus sicherer Entfernung, wie es seinen Rüssel seitlich vor und zurück schwingt und die Ohren aufstellt.

Diese zweite Runde zeigt mir den Park von einer anderen Seite: weniger Stress, mehr Geduld, mehr Zeit für Details. Und ich stelle wieder einmal fest: ich mag Nachmittags- und Abendsafaris mehr als Morgensafaris.

Naturfotografie

Der Yala-Nationalpark braucht sich vor den Parks in Afrika keinensfalls zu verstecken. Die Tierwelt ist artenreich und man findet überall fotogene Situationen. Durch das allgegenwärtige Buschwerk ist die Fotografie anspruchsvoll, da oft Äste und Zweige die Sicht und die Bildgestaltung beeinflussen. Ich hatte immer zwei Kameras griffbereit: die Canon EOS R6 erweist mit ihrem 20 MP-Sensor gute Dienste im Low-Light-Bereich und die EOS R5 sorgt für detailreiche Bilder mit viel Reserve. An der einen Kamera war immer das EF 135mm f/2L USM (zeitweise mit 1.4x-Extender) und an der anderen Kamera das EF 300mm f/2.8L IS II USM (zeitweise ebenfalls mit 1.4x- oder 2x-Extender). In einigen wenigen Situationen hätte ich mir noch mehr Brennweite gewünscht. Der von mir gewählte Brennweitenbereich ermöglichte es mir jedoch, Tiere in ihrer Umgebung zu fotografieren, ohne dass die Blickführung auf dem Bild zu eng wird.

Was man auf Safari unbedingt beachten muss: mit der Zeit überzieht eine feine Staubschicht die komplette Kameraausrüstung. Ein Objektiv- oder Extenderwechsel ist in dem Zustand keine gute Idee und kann im demontierten Zustand insbesondere in Zoomobjektive eindringen und diese nachhaltig beschädigen. Die von mir gewählten Festbrennweiten haben dieses Risiko nicht, die Kamera-Bodys sind jedoch anfällig auf derart feinen Staub. Ich hatte immer ein grosses Mikrofasertuch dabei, mit dem ich die Ausrüstung bedecken konnte, wenn es kräftig staubte oder um Staub zu entfernen.

Für mich waren die Safaris der letzten Reise und der Besuch im Yala sicherlich nicht das letzte Mal und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit dieser Tierwelt.

Info zu den Bildern

Pfau | Canon EOS R6 | 300 mm | f/9 | 1/50 s | ISO 500

Elefanten am frühen Morgen | Canon EOS R5 | 135 mm | f/2.8 | 1/1250 s | ISO 500

Fischuhu | Canon EOS R5 | 600 mm | f/5.6 | 1/640 s | ISO 2000

Braunkopfspint | Canon EOS R5 | 600 mm | f/8 | 1/1000 s | ISO 2000

Common Kingfisher (Alcedo atthis taprobana) | Canon EOS R5 | 600 mm | f/5.6 | 1/1250 s | ISO 1000

Sambhar | Canon EOS R5 | 600 mm | f/10 | 1/1250 s | ISO 800

Axishirsch | Canon EOS R6 | 189 mm | f/2.8 | 1/1600 s | ISO 640

Axishirsche | Canon EOS R5 | 300 mm | f/2.8 | 1/1250 s | ISO 1250

Hanuman-Langur | Canon EOS R5 | 300 mm | f/2.8 | 1/1250 s | ISO 1600